Gienger ist als Fachgroßhändler für viele Handwerker ein Synonym für Qualität und Zuverlässigkeit. Hier stellt sich unser neuestes Mitglied Gienger Erlstätt KG vor.
Tobias Eder
Der Geschäftsführer von Leaddrop im Interview für die Initiative „Der Junge Mittelstand“.
Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin oder Unternehmer zu werden?
Durch meine Ausbildung als Industriemechaniker habe ich gemerkt, dass ich noch mehr Erfahrungen sammeln wollte. Was mir fehlte? Disziplin. Diese holte ich mir dann in einer Kampfeinheit als SAZ-2 in der Bundeswehr, wo ich nebst dem Erlernen fundamentaler Eigenschaften auch Pläne für die Zukunft schmieden konnte. Nach der Bundeswehr machte ich den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit. Es war, als hätte ich Blut geleckt, ich war entschlossen und bereit für diesen Weg.
Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen.
Ich würde alles genauso wieder machen. Ich kann und möchte die Vergangenheit nicht ändern, sonst wäre ich nicht da wo ich heute bin und wo ich hinkommen werde. Natürlich macht man sich bei dieser Frage Gedanken und am Ende komme ich, wenn ich mir was aussuchen müsste, nur auf einen nennenswerten Part, der wäre, dass man nie genug Quality Time mit Leuten verbringen kann, die man liebt. Zeit und das Bewusstsein dahinter sind die zwei begrenztesten Ressourcen, die man wohl überlegt einsetzen sollte.
Haben Sie im Gründungs- oder Übernahmeprozess in irgendeiner Form Unterstützung erhalten? Falls ja, welche Form der Unterstützung war besonders zentral?
Nein, hatte ich nicht. Allein der Glaube an mich selbst und meine Ziele waren das Benzin, welches immer noch in unerschöpflichem Maße in meinen Blutbahnen fließt. Nach den ersten Erfolgen wusste ich, dass der gewählte Weg wie für mich gemacht ist. Und das bestätigt sich nach vielen Jahren immer wieder, wenn ich auf zufriedene Kunden treffe.
Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?
Wenn man sich einmal für diesen Weg entscheidet, wird man feststellen, dass dies das größte Abenteuer ist, welches man wohl im Leben machen kann. Leute, die diesen Weg gehen und oder gingen, wissen, was ich meine. Ich würde wohl ganz zu Beginn meiner Karriere als Unternehmer starten: Dies war der erste „Urlaub“, die erste Reise an einen traumhaft tropischen Ort. Diese Entscheidung traf ich bewusst, es war mein Geburtstag und all meine „Freunde“ waren eingeladen, mit mir in einem großen Camper dorthin zu fahren. Die Realität? Niemand ist erschienen. Ich war allein. Und ich fuhr trotzdem los. Traurig und enttäuscht fuhr ich in Richtung traumhafte Kulisse. Was konnte schon passieren? Dass man sich z. B.in einem für sich schlimmen Moment im Leben, zum ersten Mal selbst findet und weiß, wer man wirklich ist und was man eigentlich möchte. Kein Handy, keine Ablenkung, keine Party oder irgendwelche Auslebungen von Fantasien. Ich war mit mir und im Reinen. Ich war am Steg und beobachtete Tag und Nacht an der Spitze des Steges die untergehende und aufgehende Sonne am Meereshorizont. So fuhr ich zunächst traurig an die schönste Kulisse der Welt und kam als neuer Mensch zurück, in ein völlig anderes Leben, als völlig neuer Tobias, der echte, der ich schon immer war. Irgendwo versteckt unter dem Schein. Das war die Entscheidung, die mich am meisten verändert hat. Ich hatte mit dieser Entscheidung, trotzdem zu fahren und meine Reise allein anzutreten, mich selbst gefunden. Meinen Weg. Mich.
Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?
„Ja“ zu mir und meinen Leben zu sagen. Oft ist man getrübt von dem Bild das man vorgelebt oder vorgesagt bekommt. Einfach schon allein, weil man es gar nicht anders kennt. Sich bewusst dafür zu entscheiden, im Hier und Jetzt nur noch danach zu handeln, was man selbst im Leben möchte, hört sich einfach an, war aber für mich das allerschwierigste. Diese Barriere zu überwinden, Klarheit und Tatendrang für das zu bekommen und dann durchzuziehen, das ist wohl das Komplizierteste an dem Ganzen. Ich könnte auch von Niederlagen reden, die ich erlebt habe, dies ist aber Part des Prozesses. Wir werden uns immer daran erinnern, wie in den „schlimmsten Phasen“ das Beste entstanden ist. Aber nur, wenn man es schafft, dranzubleiben. Damit das Leben blühen kann, braucht es ab und an einfach Regen, auch wenn es ungemütlich ist.
Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Beruf, Familie und Freizeit? Welche Unterstützung wünschen Sie sich für eine bessere Vereinbarkeit?
Es gibt hier für mich keinen Spagat. Es ist eins für mich. Es muss miteinander harmonieren, da am Ende des Tages das Umfeld und die Leute mich ebenfalls formen. Ich suche mir bewusst Dinge & Menschen aus, die mit dem Ganzen im Einklang stehen und mich dabei unterstützen, immer besser zu werden.
Wie stehen Sie zum Thema Jobsharing oder Tandem als Lösung für eine bessere Vereinbarkeit?
Finde ich persönlich als Quatsch, in meiner Welt. Für manche ist dies sicher eine gute Lösung, um die eigene „Work-Life-Balance“ in den Griff zu bekommen. Ich halte davon eher nicht viel.
Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?
Wie ich meine Kunden mit neuen Konzepten noch besser unterstützen kann, damit diese Ihre Ziele noch schneller, einfacher und kosteneffizienter erreichen.
Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?
Durch die persönlichen Gespräche mit meinen Kunden. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert und mein Pitch im Gespräch, nicht wie bei vielen anderen Marktbegleitern, nur ein Pitch ist. Ich kann liefern und das zu 100 %. Wenn mir das ein Kunde als Feedback mitteilt, ist dies für mich wie auf Droge. Ich liebe es. Ich bin sehr stolz darauf, zahlreiche Stammkunden zu haben, die ich schon seit Jahren begleiten darf.
Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen jungen Unternehmerinnen und Unternehmern mitgeben?
Denke größer. Egal was du gerade denkst. Weshalb, möchte ich kurz erläutern:
Die meisten Menschen denken in ihrem Leben, wenn Sie das doppelte von dem verdienen möchten was sie jetzt tun, dann müssten Sie lediglich das doppelte tun oder einfach mehr und härter arbeiten, als aktuell. Als kleine Gedankenstütze hierzu möchte ich sagen, dass dies eine Zielerreichung von 100 % mehr Umsatz wäre. Was enorm ist, wenn man sich die Ziele von anderen Unternehmen ansieht, die meist nur ein paar Prozent ins Visier nehmen (1–5 % pro Jahr).
Was ist, wenn ich dir sage, dass dies Quatsch ist? Was ist, wenn ich dir sage, dass man in kurzer Zeit, viel mehr rausholen kann? Was ist, wenn ich dir sage, dass eine Verdoppelung des Umsatzes zu gering ist und du lieber eine Verzehnfachung als Ziel nehmen sollst?! Oder noch mehr?! Wenn du dir dies jetzt als ganz klares Ziel setzen würdest, würde eine Sache als erstes in der Regel eintreten. In den meisten Fällen ist es folgende:
Das wird bei mir nicht funktionieren, soviel kann ich gar nicht arbeiten, um das in so kurzer Zeit zu schaffen. Und genau das ist die Magie dahinter. Zu verstehen, dass es Umdenken benötigt. Einen Paradigmenwechseln.
Wieso schaffen es andere und du nicht? Liegt es vielleicht daran, dass sie Glück hatten? Mit SICHERHEIT nicht. Vielleicht ist es mehr. Vielleicht liegt das „mehr“ in dem, weniger zu tun? Vielleicht ist es einfach mal besser,5 Stunden über das Business nachzudenken, als 5 Jahre darin zu arbeiten. Denk mal drüber nach.
Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt junges Unternehmertum oder geben Young Professionals Rückenwind?
Ich liebe es, wenn ein Mitarbeiter sein eigenes Ziel bei mir im Unternehmen ausleben kann. Ich könnte diesem Mitarbeiter aber auch die Möglichkeit geben, sein Potenzial bei mir auszuleben. Wäre das nicht für beide Parteien die beste Option? In meinen Augen eine absolute Win-win-Situation. In der Praxis ist es manchmal so, dass es eher negativ bewertet wird und von vornherein das Ende schon klar ist. Ich fördere bewusst alle, die gefördert werden möchten und sollten.
Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von jungen Unternehmerinnen, Unternehmern und Young Professionals im Allgemeinen…
… relativ wenig, da es hier ein massives Umdenken erfordern würde, was aktuell schwer einzusehen ist. Dennoch, wenn ich bei „Wünsch dir was“ wäre, wäre es folgendes:
Wer hat Sie am meisten inspiriert und warum?
Der kleine Tobi in meinen Kopf. Die leise Stimme, die immer und bei jedem da ist. Was hat diese denn für große und spannende Ideen? Inspirationen, die ich kaum jemanden erzählen kann, weil sie für viele unrealistisch wären. Ich denke aber, dass dies Tag für Tag mein größter Inspirator und Motor ist, schließlich entscheidet man am Ende selbst, wo die Reise hingeht.
Wie bereiten Sie sich auf einen wichtigen Termin vor?
Ich visualisiere und konzipiere das für meinen Kunden beste Angebot, informiere mich über seine Firmengeschichte, Herausforderungen und Erfolge. Das motiviert mich, weil ich mir vorstelle, wie dieses Gespräch verlaufen wird und wie die gemeinsamen Zielen aussehen könnten.
Welches Buch empfehlen Sie angehenden Unternehmerinnen und Unternehmern?
Ganz klar: „The Law of Attraction“.
Ein guter Tag beginnt für mich mit …
… Gym, Sauna und einem guten Buch (stressfrei).
Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Leider keinen, so wie man sich das üblich vorstellt. Ich hatte immer so viele Ideen, wie z. B. handwerklich aktiv zu sein und meine intellektuelle Seite zu nutzen. Das habe ich bis heute beibehalten.
Tobias Eder
Leaddrop
https://www.leaddrop.de